Keratektasie nach LASIK-Behandlung

von Patrick B.
25 January 2023
Sehschwaechen

In Folge einer Augenlaserbehandlung mittels LASIK-Verfahren kann in seltenen Fällen die sogenannte Keratektasie auftreten. Dabei handelt es sich um eine Ausdünnung der Hornhaut, die zu einer Verschlechterung des Sehvermögens führt. Ein Grund dafür kann sein, dass bei der LASIK zu viel Hornhautgewebe entfernt wurde. Mit welchen Symptomen die Keratektasie einhergeht und wie sie sich behandeln lässt, erfahren Sie hier.

Was ist eine Keratektasie?

Bei einer Keratektasie handelt es sich um eine Augenerkrankung, die sich durch eine sukzessive Veränderung der Struktur des Hornhautgewebes äußert. Dadurch kommt es zunächst zu einer Ausdünnung und Ausdehnung der unteren, im späteren Stadium auch der zentralen Hornhautanteile. Dadurch dünnt die Hornhaut nicht nur zunehmend aus, sondern wölbt sich zudem auch immer weiter kegelförmig nach außen.[1]

Die Keratektasie kann nicht nur nach einer Augenlaserbehandlung auftreten, sondern ist auch ein frühes Symptom des Keratokonus, einer angeborenen Wandschwäche der Hornhaut. Verbunden mit der Keratektasie kommt es zu einer Verschlechterung des Sehvermögens, die wiederum zu einer zunehmenden Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) führt. Die betroffenen Patienten sehen zunehmend verschwommener und verzerrter. Die Keratektasie lässt sich zunächst mit speziellen Kontaktlinsen, im Extremfall aber nur noch mit einer Hornhauttransplantation (Keratoplastik) behandeln.[2]

Keratektasie nach LASIK-Behandlung

Die LASIK-Behandlung ist wie jede Operation mit einem gewissen Risiko für Komplikationen verbunden. Eine dieser Komplikationen ist die sogenannte postrefraktive oder iatrogene Keratektasie: In Folge der Operation dünnt sich die Hornhaut aus und wölbt sich nach außen. Die durch die Behandlung erlangte Verbesserung der Sehkraft kann hierdurch wieder verloren gehen. Das Risiko einer Keratektasie nach der LASIK kann durch einige Faktoren erhöht sein. Dazu gehören:[3]

  • Verminderte präoperative Hornhautdicke
  • Asymmetrische Hornhautanteile
  • Verminderter Hornhautanteil nach der OP

Allerdings führt keiner dieser Risikofaktoren unweigerlich zu einer Keratektasie, diese kann sich auch in Augen ohne identifizierbare Risikofaktoren entwickeln.

Bei der Augenlaserbehandlung mithilfe der LASIK-Methode wird mittels des Excimer-Lasers Hornhautgewebe im Mikrometer-Bereich entfernt, um den sogenannten Hornhautdeckel oder -flap zu erstellen. Dabei kann es zu Über- oder Unterkorrekturen kommen, das bedeutet, es wird zu viel oder zu wenig Hornhaut entfernt. Eine präzisere Arbeit leistet der Femtosekundenlaser. Mit ihm ist der Schnitt in die Hornhaut sicherer und risikoärmer durchführbar. Dieser Laser kommt bei der Femto-LASIK zum Einsatz.[3]

Um auf Nummer sicher zu gehen, dass bei der Augenlaserbehandlung nicht zu viel Hornhautgewebe entfernt wird, empfiehlt es sich, vor der Operation eine Messung der Hornhautdicke vorzunehmen. Auch während der LASIK-Behandlung gilt es, die Hornhautdicke zu messen und Veränderungen genauestens zu überwachen, um Über- oder Unterkorrekturen und somit Folgeschäden wie die Keratektasie zu vermeiden.[3] Die Messung der Hornhautdicke erfolgt entweder akustisch durch Ultraschall oder optisch durch Scans bzw. reflektierende Lichtstrahlen.[4]

Die LASIK-Methode weist eine sehr geringe Komplikationsrate auf, daher handelt es sich bei der Keratektasie um eine selten auftretende Komplikation.[4]

Keratektasie: Symptome

Die Keratektasie geht mit einer zunehmend verzerrten und verschwommenen Sicht sowie einer stärker werdenden Kurzsichtigkeit einher. Die Sehkraft nimmt dadurch nach und nach ab.[1] Da das Ausdünnen der Hornhaut stetig voranschreitet, werden auch die Symptome mit der Zeit stärker. Daher kann sich eine Keratektasie auch erst Wochen, Monate oder Jahre nach der LASIK-Behandlung bemerkbar machen.

Keratektasie: Diagnose & Behandlung

Die Keratektasie lässt sich mithilfe einer Topografie der Hornhaut diagnostizieren. Diese Topografie wird mit der sogenannten Scheimpflug-Technik erstellt: Das Gerät vermisst die Hornhaut und kann die Hornhautvorderfläche, -rückfläche und -dicke grafisch in einer Art Landkarte darstellen. Dadurch lässt sich feststellen, ob eine Keratektasie vorliegt und wenn ja, wie weit diese bereits fortgeschritten ist.[2]

Im Anfangsstadium lässt sich die Keratektasie mithilfe von harten, sauerstoffdurchlässigen Kontaktlinsen behandeln. Sie bieten bereits eine gute Korrektur der Sehkraft. Betroffene sollten alle sechs Monate Verlaufsuntersuchungen in Anspruch nehmen. Dadurch lässt sich feststellen, ob und wie die Erkrankung voranschreitet und ob es notwendig ist, den Behandlungsplan dementsprechend anzupassen.[2] Denn ab einem bestimmten Grad der Hornhautverkrümmung sind selbst spezielle Keratokonuslinsen nicht mehr für die Behandlung ausreichend.[5]

Ist die Keratektasie zu weit fortgeschritten oder leiden Patienten unter einer Kontaktlinsenunverträglichkeit, ist eine operative Behandlung notwendig. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten:[2]

  • Kollagenvernetzung
  • Hornhauttransplantation (Keratoplastik)

Kollagenvernetzung

Die Kollagenvernetzung ist der erste operative Schritt zur Behandlung der Keratektasie. Das Verfahren kommt seit 1999 zum Einsatz. Hierbei wird die Hornhaut zunächst mit dem Fotosensibilisator Riboflavin getränkt und anschließend mit UVA-Licht bestrahlt. Dadurch wird eine Quervernetzung der Kollagenfasern und somit eine Verfestigung der Hornhaut erreicht. Die Hornhaut kann sich also nicht weiter verformen. Patienten sind für eine verbesserte Sehkraft allerdings weiter auf Kontaktlinsen angewiesen.

Dieses Verfahren wird ambulant durchgeführt und ist nur für Patienten bis 38 Jahre empfohlen. Denn das Gewebe des menschlichen Organismus verfestigt sich mit zunehmendem Alter von selbst, wodurch ein Fortschreiten der Keratektasie unwahrscheinlicher wird.[2]

Hornhauttransplantation (Keratoplastik)

Bei einer weit fortgeschrittenen Keratektasie ist die Hornhaut bereits so stark ausgedünnt, dass sich eine Kollagenvernetzung nicht mehr durchführen lässt. Hier ist die einzige Option der Behandlung die Hornhauttransplantation, auch Keratoplastik genannt. Diese Operation wird meist ambulant oder kurzstationär durchgeführt.

Hierbei kommt der Excimer- oder der Femtosekundenlaser zum Einsatz. Die Größe des Transplantats wird individuell an die Hornhautgröße des Patienten angepasst. Dabei gilt: So groß wie möglich, so klein wie nötig.[5]

Welche Art der Hornhauttransplantation möglich ist, hängt vom genauen Stadium der Keratektasie ab:[2]

  • Stadium 3: In diesem Stadium der Erkrankung ist eine tiefe lamelläre Hornhauttransplantation der vorderen Hornhautschichten möglich, ohne dass die inneren Zelllagen des Auges gefährdet werden.
  • Stadium 4: In diesem Stadium der Keratektasie haben sich bereits Narben gebildet, sodass hier nur ein durchgreifender Hornhautersatz, auch perforierende Keratoplastik genannt, infrage kommt.

Die Hornhauttransplantation bietet gute Langzeitheilungschancen für die Keratektasie. Das liegt daran, dass die Hornhaut der Betroffenen keine Gefäße aufweist, die eine Abstoßungsreaktion der transplantierten Hornhaut auslösen könnten. Um eine solche dennoch zu verhindern, empfiehlt sich die nachoperative Behandlung mit niedrigdosierten, kortisonhaltigen Augentropfen.[2]

 

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[1]: Universitätsmedizin Mainz. (2020). Was bedeutet Keratokonus? https://www.unimedizin-mainz.de/keratokonus-zentrum/keratokonus.html. (Abgerufen am 19.12.2022).

[2]: Institut für Augenheilkunde Halle. (2022). Keratokonus. https://www.augenheilkunde.de/keratokonus/. (Abgerufen am 19.12.2022).

[3]: Buchheim, C.A.E. (2009). Akute Veränderungen des Hornhautstromas und der Hornhautkappe während der Laser-in-Situ-Keratomileusis wie sie mit der optischen online Kohärenzpachymetrie und der Ultraschallpachymetrie gemessen werden. Technische Universität München. https://mediatum.ub.tum.de/doc/808881/808881.pdf. (Abgerufen am 19.12.2022).

[4]: Bödemann, M. & T. Kohnen. (2011). Präzision von Femtosekundenlaser-Flaps und Excimerlaser-Ablation. German Society of Cataract & Refractive Surgery (DGII). https://www.dgii.org/uploads/jahresband/2011/113_Boedemann.pdf. (Abgerufen am 19.12.2022).

[5]: Seitz B., Szentmáry N., Langenbucher A., Hager T., Viestenz A., Janunts E. & M. El-Husseiny. (2016). Perforierende Keratoplastik bei fortgeschrittenem Keratokonus – vom Hand-/Motortrepan hinauf zum Excimerlaser und zurück zum Femtosekundenlaser. augenklinik-saarland.de. https://augenklinik-saarland.de/media/pages/de/data/downloads/454b070c83-1587539853/perforierende-keratoplastik-bei-fortgeschrittenem-keratokonus-vom-hand-und-motortrepan-zum-excimerlaser-und-zuruck-zum-femtoseku.pdf. (Abgerufen am 19.12.2022).