Grauer Star: Symptome, Operation und Kosten

von Patrick B.
19 December 2022
Sehschwaechen

Der Graue Star, oder Katarakt, ist eine der am häufigsten im Alter auftretenden Augenerkrankungen. Dabei trübt sich die Augenlinse und die Patienten sehen alles wie durch ein „Milchglas“. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sie bis zur Erblindung führen – der Graue Star ist weltweit eine der beiden Hauptursachen für Erblindung, in Entwicklungsländern nimmt sie sogar die erste Stelle ein.[1] Da es nicht möglich ist, die natürliche Linse zu heilen, ist zur Behandlung des Grauen Stars eine Linsenimplantation nötig. Hierbei wird die natürliche, getrübte Linse gegen eine neue, künstliche Linse ausgetauscht. Diese Operation findet in Deutschland rund 700.000-mal im Jahr statt.[2] Wie die Operation genau abläuft, welche Linsen zur Wahl stehen und mit welchen Kosten zu rechnen ist, erfahren Sie hier.

Grauer Star: Ursachen

Der Graue Star tritt vermehrt bei Menschen über 50 Jahre auf. Das Risiko zu erkranken, steigt dabei mit zunehmendem Alter weiter an. Bei rund 90 Prozent der Erkrankten ist der natürliche Alterungsprozess die Ursache für den Grauen Star, dieser wird auch Grauer Altersstar genannt.

Einige Menschen haben erblich bedingt ein größeres Risiko, an Grauem Star zu erkranken. In sehr seltenen Fällen kann die Krankheit auch angeboren sein, etwa, wenn die Mutter während der Schwangerschaft an Masern oder Röteln erkrankt war.

Daneben gibt es auch Hinweise darauf, dass bestimmte Faktoren das Risiko am Grauen Star zu erkranken erhöhen können, beispielsweise UV-Licht, Röntgenstrahlung, bestimmte Medikamente und Rauchen. Zudem sind Diabetiker ebenfalls häufiger von der Augenerkrankung betroffen. Der Graue Star kann auch als Folge von Augenentzündungen, Augenverletzungen oder Augenoperationen entstehen.[3]

Grauer Star: Symptome

Das Krankheitsbild des Grauen Stars geht mit einem schleichenden Sehkraftverlust einher, der Patienten zunächst gar nicht auffallen muss. Mit der Zeit sehen Betroffene immer verschwommener und unschärfer, als wenn sie durch einen Schleier oder Nebel sehen würden. Zudem wird das Bild immer kontrastärmer und die Farben verblassen zusehends.

Manche Betroffenen reagieren zudem empfindlicher auf Blendungen, beispielsweise durch Sonnenlicht oder helle Lichtquellen. Dadurch erweist sich auch das Autofahren in der Dunkelheit als schwieriger. Zudem verschlechtert sich das räumliche Sehen.

Bei manchen Brillenträgern scheint es durch den Grauen Star zunächst zu einer Verbesserung der Sehkraft ohne Brille zu kommen, da sich die Brechkraft des Auges verändert. Dadurch können unterschiedlich weit entfernte Objekte wieder schärfer wahrgenommen werden. Dieser Effekt ist jedoch nur von kurzer Dauer.

Beim Grauen Star können unterschiedliche Formen und Verläufe vorliegen:[4]

  • Rindenkatarakt: Betroffene klagen nicht nur über ein verschwommenes Sichtbild, sondern haben auch eine höhere Empfindlichkeit für blendendes Licht.
  • Hintere subkapsuläre Katarakt: Hierbei kommt es vor allem zu Beeinträchtigungen des Kontrastsehens und einer höheren Blendungsempfindlichkeit. Diese Form des Grauen Stars kommt häufig bei jüngeren Menschen vor und schreitet recht schnell voran.
  • Kernkatarakt: Bei dieser Form ist die Weitsicht stärker eingeschränkt als das Sehen im Nahbereich. Das Sehvermögen verschlechtert sich bei dieser Form des Grauen Stars meist recht langsam.

Grauer Star: Diagnose

Bei der Diagnose des Grauen Stars kommt ein spezielles Lichtmikroskop, auch Spaltlampe genannt, zum Einsatz. Diese leuchtet das Auge mit einem spaltförmigen Lichtstrahl an, sodass der behandelnde Arzt die Linse und die dahinterliegenden Abschnitte des Auges begutachten kann.

Vor der Untersuchung nehmen Patienten meist ein pupillenerweiterndes Medikament ein. Es kann dazu führen, dass sie einige Stunden lang unscharf sehen und sich leichter geblendet fühlen. Daher sollten sie für die Zeit nach der Untersuchung kein Auto fahren.[5]

Grauer-Star-OP

Da es keine medikamentöse Behandlung gibt, ist für eine Behandlung des Grauen Stars eine Operation die einzige Option. Hierbei wird die natürliche, getrübte Linse gegen eine neue, künstliche Linse ausgetauscht.[6]

Grauer Star OP – Ablauf

Die Operation dauert rund 20 bis 30 Minuten und wird meist ambulant durchgeführt. Zunächst erfolgt am Rand der Hornhaut ein kleiner Schnitt, danach wird die Membran der Linse geöffnet. Per Ultraschall werden dann der Kern und die Rinde der Linse zerkleinert und abgesaugt. Alternativ ist es auch möglich, hierfür einen Laser zu verwenden. Dieser arbeitet nicht nur genauer, das Verfahren ist zudem schonender für das Auge. Danach wird die künstliche Linse implantiert.

Mögliche Komplikationen

Die Operation des Grauen Stars verläuft meist ohne Komplikationen, allerdings ist auch sie nicht vollkommen risikofrei. So kann es beispielsweise zu Wundheilungsstörungen, Entzündungen, Blutungen und Verletzungen kommen. Zu den häufigsten Komplikationen gehören:

  • Während der OP: Verletzung der Linsenkapsel, der Iris oder des Augapfels
  • Nach der OP: Schwellung der Netzhaut, Verschiebung der Linse, Netzhautablösung oder Entzündung des Augeninneren

Diese Komplikationen können das Sehvermögen vorübergehend verschlechtern und den Heilungsprozess behindern, allerdings hinterlassen sie keine bleibenden Schäden. Anders sieht es bei einer Entzündung des Augeninneren aus, denn diese kann bis zur Erblindung oder dem Verlust des Auges führen. Als Symptome treten hierbei nach der Operation Schmerzen, Schwellungen, Rötungen und eine starke Verschlechterung des Sehvermögens auf. Diese müssen so schnell wie möglich mit Antibiotika behandelt werden.

Grauer Star Operation – Erholungszeit

Nach dem Eingriff müssen Patienten in den ersten 24 Stunden einen Augenverband tragen. Beim Duschen oder Haarewaschen sollten sie darauf achten, dass kein Wasser, Shampoo oder Seife in das Auge gerät. Autofahren ist nach einigen Wochen wieder möglich, auf das Lesen sollten Patienten bis zu zwei Wochen lang verzichten.

Nach der Operation klagen manche Patienten über leichte Schmerzen oder ein Fremdkörpergefühl im Auge, zudem kann ein Juckreiz auftreten. Diese Beschwerden klingen allerdings meist innerhalb von wenigen Tagen ab. Die Wundheilung wird zudem in den ersten Wochen nach der Operation mit entzündungshemmenden und antibiotischen Augentropfen unterstützt.

Grauer-Star-OP: Diese Linsen stehen zur Wahl

Bei der operativen Behandlung des Grauen Stars kommen sogenannte aphake Linsen zum Einsatz. Diese Linsen werden nicht zusätzlich zur natürlichen, sondern anstelle dieser eingesetzt. Dabei haben Patienten die Wahl zwischen zwei verschiedenen Linsenarten – den Monofokal- und den Multifokallinsen.

Monofokallinse

Die Monofokallinse arbeitet nur mit einem Brennpunkt und funktioniert daher so wie die Sehstärke einer einfachen Brille. Durch diese Linse können Patienten entweder im Nah- oder im Fernbereich besser sehen. Meist ist die Monofokallinse auf das Sehen im Fernbereich eingestellt, sodass für eine verbesserte Kurzsicht weiterhin eine Sehhilfe erforderlich ist.[7] Weiterhin wird zwischen sphärischen und asphärischen Monofokallinsen unterschieden.[8]

Sphärische Monofokallinsen

Bei der sphärischen Monofokallinse handelt es sich um die Standardlinse ohne Zusatzfunktionen, die bereits eine gute Korrektur des Sehvermögens ermöglicht. Allerdings arbeiten diese Linsen bei schlechten Lichtbedingungen nicht so gut wie die asphärischen Linsen. Zudem kann bei dieser Variante eine leichte Abbildungsschwäche im Randbereich des Sichtfelds auftreten.

Asphärische Monofokallinsen

Im Gegensatz zu den sphärischen Linsen weisen die asphärischen Linsen einige Zusatzfunktionen auf: Durch ihre asphärische Brechung ermöglichen sie auch bei schlechten Lichtbedingungen eine gute Sicht. Zudem ist hier die Blendungsempfindlichkeit geringer. Auch fehlerhafte Abbildungen wie Lichtschleier, Unschärfe oder Kontrastverluste treten bei den asphärischen Monofokallinsen deutlich seltener auf.

Multifokallinse

Anders als die monofokalen Modelle ermöglichen die Multifokallinsen ein verbessertes Sehvermögen sowohl im Nah- als auch im Fernbereich, sie arbeiten also ähnlich wie eine Gleitsichtbrille. Diese Linsen lassen sich jedoch nur bei Patienten ohne gravierende Augenerkrankungen oder Hornhautverkrümmung einsetzen. Zudem reagieren Patienten mit Multifokallinsen bei Dunkelheit lichtempfindlicher und es kann im Sichtfeld zu Lichtkreisen, den sogenannten Halos, kommen.[9]

Grauer-Star-OP: Kosten & Finanzierung

Die Kosten für die Operation des Grauen Stars unterscheiden sich je nach Verfahren und verwendeter Linse. Wird das Standardverfahren mit Ultraschall genutzt und eine Standardlinse (Monofokallinse) verwendet, liegen die Kosten bei etwa 1.800 Euro pro Auge. Entscheiden sich Patienten für Premiumlinsen, wie die Multifokallinsen, kosten diese je nach Modell rund 400 bis 800 Euro pro Auge. Eine Operation mit Laser statt mit Ultraschall schlägt mit rund 1.000 bis 1.500 Euro zu Buche. Je nach Arzt und Praxis können die Preise aber auch höher ausfallen.[10]

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Operation des Grauen Stars nur dann, wenn diese mit einem Ultraschallverfahren erfolgt und eine Monofokallinse zum Einsatz kommt. Mehrkosten für das schonendere Laserverfahren oder höherwertigere Linsen müssen Patienten selbst zahlen, hier ist meist keine Kostenübernahme durch die Krankenkassen möglich.[11]

 

[1] International Agency for the Prevention of Blindness (IAPB). (2020). Causes of Vision Loss: Cataract. https://www.iapb.org/learn/vision-atlas/causes-of-vision-loss/cataract/. (Abgerufen am 07.11.2022).

[2] Hobelsberger, B. (2021). Kunstlinsen bei Grauem Star: Diese Möglichkeiten gibt es. https://focus-arztsuche.de/magazin/gesundheitstipps/kunstlinsen-bei-grauem-star. (Abgerufen am 07.11.2022).

[3] Bundesministerium für Gesundheit. (2020). Grauer Star (Katarakt). https://gesund.bund.de/grauer-star-katarakt. (Abgerufen am 09.11.2022).

[4] ebd.

[5] ebd.

[6] gesundheitsinformation.de (2022). Operation des Grauen Stars. https://www.gesundheitsinformation.de/operation-des-grauen-stars.html. (Abgerufen am 09.11.2022).

[7] Augenarzt Online. (2020). Monofokallinsen: Die wichtigsten Informationen zu Kurzsichtigkeit des Auges. https://www.augenarzt-online.org/standardlinsen-monofokallinse. (Abgerufen am 10.11.2022).

[8] Forbrig, J. (2020). Optimierung der Visualisierung von Strahlenverläufen durch Intraokularlinsen und natürliche Linsen. Universitätsmedizin Rostock. https://rosdok.uni-rostock.de/file/rosdok_disshab_0000002528/rosdok_derivate_0000103419/Forbrig_Dissertation_2021.pdf. (Abgerufen am 10.11.2022).

[9] ndr.de. (2021). Operation bei grauem Star: Welche Linse ist die richtige? https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Operation-bei-grauem-Star-Welche-Linse-ist-die-richtige,grauerstar106.html. (Abgerufen am 10.11.2022).

[10] finanzen.de. (2022). Grauer Star-OP: Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten? https://www.finanzen.de/krankenversicherung/kosten/grauer-star#/occupation-group. (Abgerufen am 09.11.2022).

[11] Verbraucherzentrale. (2021). Grauer Star: Kostentransparenz vor der OP. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/aerzte-und-kliniken/grauer-star-kostentransparenz-vor-der-op-12878. (Abgerufen am 09.11.2022).

 

Häufige Fragen

Was ist Grauer Star (Katarakt)?

Der Graue Star ist eine Augenerkrankung, die vermehrt im Alter auftritt. Hierbei trübt sich die natürliche Linse, was zu einem verschlechterten Sehvermögen führt. So klagen Betroffene über ein verschwommenes, unklares Sichtbild, die Kontraste nehmen ab und die Farben verblassen. Zudem sind einige Patienten empfindlicher für Blendungen.

Was kostet eine OP bei Grauem Star?

Die Kosten für die Operation können je nach Arzt und Praxis unterschiedlich hoch ausfallen. Zudem sind sie auch abhängig davon, mit welchem Verfahren operiert und welche Linse verwendet wird. So ist eine Operation mit Ultraschall und Monofokallinse günstiger als ein Verfahren mit Laser und Multifokallinse. Die Kosten für diese günstigere Operation übernimmt zudem die Krankenkasse.

Wie lange dauert die Heilung nach der OP des Grauen Stars?

In den ersten 24 Stunden müssen Patienten einen Augenverband tragen und in den ersten Wochen nach der OP regelmäßig Augentropfen verwenden. Die meisten Alltagstätigkeiten sind nach einigen Tagen wieder normal möglich. Nur auf das Lesen und Autofahren sollten Patienten einige Wochen verzichten.