Phake Intraokularlinse (PIOL): Behandlung, Kosten & Risiken

von Patrick B.
25 January 2023
Methoden

Eine phake Intraokularlinse, auch PIOL genannt, eignet sich als Alternative zu einer Augenlaserbehandlung. Sie kommen dabei vor allem bei schwereren Sehschwächen zum Einsatz, bei denen die Lasermethoden an ihre Grenzen stoßen. Welche Modelle zur Auswahl stehen, was es zu beachten gilt und welche Kosten für die Behandlung anfallen, erfahren Sie hier.

Was ist eine phake Intraokularlinse (PIOL)?

Die phake Intraokularlinse wird wie eine Kontaktlinse zusätzlich zur natürlichen Linse in das Augen implantiert.[1] Das unterscheidet sie von den aphaken Intraokularlinsen, wie den Monofokallinsen oder den Multifokallinsen: Diese kommen anstelle der natürlichen Linse in das Auge, um Augenerkrankungen wie den Grauen Star zu behandeln.

Phake Intraokularlinsen kommen hauptsächlich für die Korrektur von stark ausgeprägten Sehschwächen, einer hohen Kurzsichtigkeit ab -6 Dioptrien und einer Weitsichtigkeit ab +3 Dioptrien, zum Einsatz, da hier die Methoden der Laserbehandlungen an ihre Grenzen stoßen. Auch Patienten mit einer dünnen Hornhaut, für die das Augenlasern aufgrund der Gefahr für eine Keratektasie nicht infrage kommt, können auf die Kunstlinsen zurückgreifen.[2] Ebenso lassen sich extreme Brechkraftfehler oder eine Hornhautwölbung (Astigmatismus) mit einer phaken Linse in Kombination mit einer Femto-LASIK ausgleichen.[3]

Die phaken Intraokularlinsen sind tatsächlich schon länger im Einsatz als der Excimerlaser: Bereits 1953 verwendete sie der italienische Augenarzt Benedetto Strampelli, allerdings ließen die Ergebnisse zu dieser Zeit noch zu wünschen übrig. So kam es teilweise zu Komplikationen wie einer Pupillenverziehung oder der Bildung eines Glaukoms. Im Jahr 1997 kam die neuartige Vorderkammerlinse auf den Markt, die sich in die Iris einhakt und die meisten Komplikationen der ersten PIOLs vermeiden konnte.[4] Heute stehen zwei Arten von phaken Intraokularlinsen zur Wahl:

  • Vorderkammerlinse
  • Hinterkammerlinse

Vorderkammerlinse

Das Implantieren der Vorderkammerlinse (VKL) erfolgt vor der Regenbogenhaut (Iris). Das Befestigen der Linse findet direkt an der Regenbogenhaut statt.  Daher heißen diese phaken Intraokularlinsen auch irisfixierte Vorderkammerlinsen. Als Modelle stehen hier die Artisan und die Artiflex zur Auswahl. Diese sind in Europa bereits seit Jahren verfügbar und bestehen aus einem Silikonmaterial.[4]

Hinterkammerlinse

Das Einsetzen der Hinterkammerlinse (HKL) erfolgt zwischen der Regenbogenhaut und der natürlichen Linse. Diese Form der phaken Intraokularlinse ist vor allem in den USA kommerziell erhältlich. Studien zufolge sind die Hinterkammerlinsen aber auch mit ein paar Komplikationen verbunden: So nimmt der Abstand zwischen der Kunst- und der natürlichen Linse mit der Zeit ab, was das Risiko für einen Grauen Star erhöht.[4]

Voraussetzungen für die phake IOL

Phake Intraokularlinsen kommen bei stark ausgeprägten Sehschwächen zum Einsatz. Patienten sollten nicht unter 18 Jahre alt sein. Bei älteren Patienten über 45 Jahren oder bei chronisch fortschreitenden Augenerkrankungen wie dem Grünen Star ist dagegen ein Austausch der natürlichen Linsen gegen aphake Kunstlinsen die bessere Option.

Daneben gilt es, in der Voruntersuchung den Pupillendurchmesser und die Hornhautdicke zu bestimmen, um festzustellen, ob phake Intraokularlinsen für den jeweiligen Patienten geeignet sind.[1] Bei Schwangerschaft, Stillzeit oder einer Diabeteserkrankung, die auch das Auge betrifft, kommen die phaken Intraokularlinsen nicht in Frage.

Wie läuft die phake Linsenimplantation ab?

Die Linsenimplantation findet ambulant und mit örtlicher Betäubung statt. Hierfür beträufelt der zuständige Mediziner die Oberfläche des Auges mit einem Betäubungsmittel in Form von Augentropfen, um eine vollständige Schmerzfreiheit zu erzielen.[1]

Um die phake Intraokularlinse in das Auge einzusetzen, präpariert der Chirurg zunächst eine wenige Millimeter breite tunnelartige Öffnung in der Hornhaut. Die Kunstlinse wird anschließend im gefalteten Zustand in das Auge injiziert, wo sie sich dann entfaltet.[3] Der gesamte Prozess dauert pro Auge zwischen 15 und 20 Minuten.

Nach der Operation kommen für die ersten sechs bis 12 Wochen Augentropfen zum Einsatz, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Um Infektionen oder andere Komplikationen zu vermeiden, sollten Patienten darauf achten, nicht an den Augen zu reiben. Zudem sollten sie einmal im Jahr eine Kontrolluntersuchung in Anspruch nehmen.[4]

Das Sehvermögen verbessert sich bereits einen Tag nach der Linsenimplantation, das endgültige Ergebnis liegt nach acht bis 12 Wochen vor.[3]

Phake Intraokularlinsen: Risiken & Nebenwirkungen

Zu den Vorteilen von der phaken Linse zählen ihre gute Verträglichkeit und die damit einhergehende verringerte Komplikationshäufigkeit. Zudem stellt sich eine Verbesserung des Sehvermögens recht schnell nach der Operation ein und der Eingriff lässt sich durch das Entfernen der Kunstlinse jederzeit revidieren.[2]

Trotzdem handelt es sich bei einer Linsenimplantation immer noch um einen operativen Eingriff, der auch mit Risiken und Komplikationen verbunden sein kann. So treten bei einigen Patienten mit phaken Intraokularlinsen bei Dämmerung und Dunkelheit eine höhere Blendungsempfindlichkeit und die Wahrnehmung von Lichthöfen, auch Halos genannt, auf.

In seltenen Fällen kann es auch zu schwereren Nebenwirkungen kommen: So können Infektionen, Hornhauttrübungen, Pupillenverziehungen, Glaukome oder der Graue Star auftreten. Um eventuelle Unverträglichkeiten frühzeitig erkennen und behandeln zu können, ist eine jährliche Nachuntersuchung der Kunstlinsen empfehlenswert.[3]

Phake Intraokularlinsen (PIOL): Kosten

Wie hoch die Kosten für die phaken Intraokularlinsen sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab: So können die Kosten je nach Anbieter und dessen Leistungsumfang unterschiedlich hoch ausfallen. Zudem kommt es auch darauf an, welche Sehschwäche bei dem jeweiligen Patienten vorliegt und wie stark diese ausgeprägt ist. Pauschal lässt sich festhalten, dass Patienten pro Auge mit Kosten von mindestens 2.000 Euro rechnen sollten.

Wenn sich die vorhandene Sehschwäche mit Sehhilfen wie Brillen oder Kontaktlinsen in den Griff kriegen lässt, handelt es sich bei den phaken Intraokularlinsen nicht um einen medizinisch notwendigen Eingriff. Dann übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Linsenimplantation meist nicht. Das unterscheidet die PIOLs von den aphaken Intraokularlinsen: Da diese bei Augenerkrankungen wie dem Grauen Star zum Einsatz kommen, übernimmt die Krankenkasse hier die Kosten für den medizinisch notwendigen Eingriff.

Phake Intraokularlinsen im Überblick

Hier finden Sie noch einmal alle wichtigen Informationen zu den phaken Intraokularlinsen (PIOL) in der Übersicht:

Einsatzbereich Starke Fehlsichtigkeit
Anästhesie Örtliche Betäubung, ambulanter Eingriff
OP-Dauer Je Auge etwa 15 – 20 Minuten
Ablauf Kleiner Schnitt in die Hornhaut, Linse wird eingesetzt und fixiert
Nachsorge Augentropfen, regelmäßige Kontrolltermine
Voraussetzungen Keine Augenerkrankungen, Alter zwischen 18 und 45 Jahren
Heilungsdauer Ein bis zwei Wochen
Risiken Verschlechterte Nachtsicht, Halos; in schweren Fällen Infektionen und Glaukome
Kosten Ab 2.000 Euro je Auge
Alternativen Sehhilfen, Laserbehandlung, aphake Intraokularlinsen (bei älteren Patienten oder Erkrankungen wie Grauer Star)

 

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[1]: Universitätsmedizin Mainz. (2018). Phake Intraokularlinsen bei hoher Fehlsichtigkeit. https://www.unimedizin-mainz.de/augenlaser-zentrum/methoden/linsenoperationen/phake-intraokularlinsen.html. (Abgerufen am 03.01.2023).

[2]: Kuchenbecker, Dr. J. & PD Dr. B. Dick. (2003). Phake Intraokularlinsen (PIOL) – eine aktuelle Übersicht. Uni Magdeburg. http://www.med.uni-magdeburg.de/unimagdeburg_mm/Downloads/Kliniken/KAUG/PIOL-EGOTEC-41d1a2c191850c0e6da15d0e92211109.pdf. (Abgerufen am 03.01.2023)

[3]: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA). (2022). Kommission Refraktive Chirurgie – KRC: Phake Linsen zur Korrektur der hohen Fehlsichtigkeit. http://bva.dog/krc/index.php?seite=phake-linsen. (Abgerufen am 03.01.2023).

[4]: Taneri, PD Dr. med. S. (2020). Phake Intraokularlinsen im Überblick. Concept Ophthalmologie. https://www.refraktives-zentrum.de/fileadmin/Downloads/Presse/ConceptOphthalmologieArticle.pdf. (Abgerufen am 03.01.2023).

 

Häufige Fragen

Was ist eine Intraokularlinse?

Eine Intraokularlinse ist eine gute Alternative zum Augenlasern, wenn eine stark ausgeprägte Sehschwäche oder eine zu dünne Hornhaut vorliegt. Mit ihr sind Patienten nicht länger auf Sehhilfen angewiesen. Es lässt sich zwischen aphaken und phaken Intraokularlinsen unterscheiden. Aphake Linsen kommen beispielsweise beim Grauen Star zum Einsatz.

Was ist eine phake Intraokularlinse?

Während die Implementierung der aphake Intraokularlinsen anstelle der natürlichen Linse erfolgt, werden die phaken Intraokularlinsen ähnlich wie Kontaktlinsen zusätzlich zur natürlichen Linse getragen. Sie kommen vor allem bei stark ausgeprägten Sehschwächen, einer Hornhautverkrümmung oder einer zu dünnen Hornhaut zum Einsatz.

Was kosten phake Intraokularlinsen?

Die Kosten für phake Intraokularlinsen hängen vom jeweiligen Anbieter und der vorhandenen Sehschwäche des Patienten bzw. der Schwere dieser ab. Pauschal lässt sich festhalten, dass die Kosten für die Kunstlinsen pro Auge mehrere tausend Euro betragen können.