Multifokallinsen implantieren – Kosten, Behandlung, Vor- und Nachteile

von Patrick B.
02 March 2022

Die Implantation von Multifokallinsen – dazu gehören Bi- und Trifokallinsen – ersetzt eine Gleitsichtbrille dauerhaft und findet besonders in Fällen von Grauem Star und Alterssichtigkeit Einsatz. Aber auch eine stark ausgeprägte Kurz- oder Weitsichtigkeit lässt sich mit der Multifokallinse korrigieren. Bei der Implantation von Multifokallinsen handelt es sich um ein bewährtes Verfahren, welches bereits seit über 35 Jahren zur Anwendung kommt. Im Folgenden erfahren Sie die Voraussetzungen, Abläufe und Kosten der Multifokallinse-OP.

Was ist eine Multifokallinse?

Bei Multifokallinsen handelt es sich um eine Form der aphaken Mehrstärkenlinsen. Diese kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Laserbehandlung nicht mehr möglich oder zielführend ist. Während phake Intraokularlinsen die natürlichen Linsen ergänzen, ersetzen aphake diese. Sie sind in der Lage, Kurz-, Weit-, aber auch Alterssichtigkeit zu beheben. Im Gegensatz zur Monofokallinse, welche nur einen Sehbereich scharf darstellt, verfügen Multifokallinsen jeweils über mehrere Dioptrienbereiche. So wird die Lebensqualität des Patienten erheblich erhöht (6). Sie lassen ihren Träger somit in zwei (bifokal) bis drei Sehbereichen (trifokal) scharf sehen. Sie sind von außen nicht sichtbar und können dauerhaft im Auge verweilen, ohne ausgetauscht werden zu müssen.

Für wen eignen sich Multifokallinsen?

Die Implantation von Multifokallinsen ist dann zu empfehlen, wenn Augenlaserbehandlungen, beispielweise mit dem Verfahren LASIK, nicht mehr infrage kommen oder nicht die gewünschten Resultate versprechen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn eine zu hohe Fehlsichtigkeit – Kurzsichtigkeit von über -8 Dioptrien oder Weitsichtigkeit von mehr als +4 Dioptrien – vorliegt. Für einige Patienten ist das Augenlasern auch wegen einer zu dünnen Hornhaut ungeeignet. In diesem Fall trüge der Laser zu viel Material ab, wodurch sich die Hornhaut nach vorn wölben würde. Durch die sogenannte Keratektasie verschlechtert sich die Sehstärke noch mehr.

Grauen Star mit Multifokallinse behandeln

Die Implantation von Mono- oder Multifokallinsen ist derzeit die einzige Möglichkeit, einen Grauen Star, auch Katarakt genannt, zu behandeln (4). Die Erkrankung entsteht, wenn die im menschlichen Auge enthaltenen, hochkonzentrierten Schutzproteine versagen. Diese sorgen dafür, dass die Eiweiße in der menschlichen Linse nicht verklumpen, sich ablagern und somit die Linse eintrüben. Die Abnahme ihrer Funktionsfähigkeit beginnt in der Regel erst ab dem 60. Lebensjahr (7), weshalb nur sehr selten jüngere Menschen oder Kinder von einem Grauen Star betroffen sind. Die genaue Ursache ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt. Als mögliche Faktoren vermuten Experten unter anderem:

  • Stoffwechselstörungen / -erkrankungen
  • Genetische Vorbelastung
  • Nährstoffmangel
  • Verletzungen des Auges
  • Chemotherapien
  • Längere Einnahme von Medikamenten wie Cortison

Der Graue Star äußert sich durch eine deutliche Verschlechterung der Sehqualität (1). Betroffene sehen wie durch einen milchigen Schleier, unschärfer und kontrastärmer. Bleibt er unbehandelt, kann der Graue Star bis zur Erblindung führen. Da sich die Eiweiß-Ablagerungen nach aktuellem Forschungsstand nicht entfernen lassen, bleibt nur der Austausch der natürlichen Linse mit einer Mono- oder Multifokallinse.

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Bifokallinsen oder Trifokallinsen?

Multifokallinsen lassen sich in Bifokallinsen und Trifokallinsen einteilen. Erstere finden aufgrund ihrer Bewährtheit noch häufiger Anwendung. Dank der wissenschaftlichen Weiterentwicklung lassen sich aber auch immer mehr Patienten Trifokallinsen implantieren. Während Bifokallinsen die Möglichkeit bieten in zwei Bereichen – Nähe und Ferne – scharf zu sehen, verfügen Trifokallinsen sogar über drei Brechkraftzonen. Der dritte Fokuspunkt bildet einen mittleren Sehbereich in 50 bis 100 cm Entfernung scharf auf der Netzhaut ab und erleichtert somit beispielsweise die Arbeit am Computer. Auch in anderen alltäglichen Bereichen macht sich der dritte Sehbereich bemerkbar: Während Träger von Bifokallinsen während des Autofahrens in der Regel noch immer auf eine Brille angewiesen sind, ist eine zusätzliche Sehhilfe bei Trifokallinsen meist nicht nötig.

Implantation von Multifokallinsen – die Voraussetzungen

Ob das Einsetzen einer Multifokallinse im Einzelfall sinnvoll und zielführend ist, stellt der behandelnde Arzt im Rahmen einer gründlichen Voruntersuchung fest. Grundsätzlich empfiehlt sich die Implantation jedoch in erster Linie für Patienten, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • mindestens 18 Jahre alt
  • hohe Kurzsichtigkeit ab -8 Dioptrien
  • hohe Weitsichtigkeit ab +4 Dioptrien
  • keine Amblyopie seit dem Kinderalter
  • kein manifestes Schielen
  • keine organischen Hornhauterkrankungen oder Vernarbungen

Auch die Behandlung einer Hornhautverkrümmung durch die Implantation einer Multifokallinse ist möglich. Ob das Einsetzen im individuellen Fall durchführbar und sinnvoll ist, lässt sich nach einer umfangreichen Untersuchung feststellen.

Multifokallinsen implantieren: So läuft die Behandlung ab

Vor der Implantation der Multifokallinse findet zunächst ein unverbindliches und kostenloses Informationsgespräch statt. Bei diesem prüft der behandelnde Arzt, ob sich der Patient eignet und eine Behandlung der Fehlsichtigkeit durch eine Linsenimplantation möglich ist. Er misst hierfür unter anderem die Hornhautoberfläche sowie die Hornhautdicke, um anschließend die optimale Behandlungsmethode empfehlen zu können.

Voruntersuchung zur Implantation von Multifokallinsen

Kommt eine Multifokallinsenimplantation infrage, folgt eine intensive Voruntersuchung. Bei dieser überprüft der behandelnde Arzt alle wichtigen Parameter, um die optimal auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Linse bestellen zu können. Der etwa zweistündige Termin ist in den Behandlungskosten inbegriffen. Im Falle einer Meinungsänderung seitens des Patienten muss dieser die Gebühren in Höhe von 25 bis 200 Euro dennoch begleichen.

Multifokallinsen implantieren – der Eingriff

Die Implantation der Multifokallinsen findet in der Regel im Abstand von einem oder zwei Tagen statt. Auf diese Weise lässt sich eine möglichst geringe berufliche Ausfallzeit gewährleisten. Der Eingriff selbst dauert je Auge nur etwa eine halbe Stunde. Dennoch empfiehlt es sich, für Vor- und Nachbereitung der Augen-OP etwa zwei bis drei Stunden einzuplanen. Die Multifokallinsenimplantation findet unter örtlicher Betäubung statt. Der behandelnde Arzt setzt einen kleinen Schnitt in die oberste Schicht der Hornhaut – entweder mit einem Mikroskalpell oder einem Femtosekundenlaser. Daraufhin zerteilt er die augeneigene Linse mittels Ultraschalls oder Lasers und saugt diese über die Öffnung ab. Anschließend führt er über denselben Weg die gefaltete Multifokallinse ein, welche sich dort entfaltet und optimal platzieren lässt. Der gesetzte Schnitt verheilt selbstständig nahtlos.

Nach der Multifokallinsen-OP

In den Stunden nach dem Einsetzen der Multifokallinse kann es zu einem leichten Brennen oder einem Fremdkörpergefühl im Auge kommen. Obwohl sich die Sehkraft sehr schnell wieder vollständig herstellt, muss sich das Auge erst an die neue Linse gewöhnen. Helles Licht kann vorübergehende Lichterscheinungen, auch Halos genannt, erzeugen. Zudem ist eine temporär eingeschränkte Dämmerungssehkraft möglich. Diese Nebenwirkungen lassen in der Regel binnen weniger Wochen oder Monate nach. Es empfiehlt sich, starke körperliche Belastungen, schweres Tragen und Heben sowie den Aufenthalt in staubigen Umgebungen in den ersten vier Wochen nach der Multifokallinsen-OP zu vermeiden. Auch auf sportliche Betätigung ist in diesem Zeitraum lieber zu verzichten.

Multifokallinsen: Vor- und Nachteile

Die Implantation von Multifokallinsen gilt als sehr sicher und risikoarm. Eine Langzeitbeobachtung kam zu dem Ergebnis, dass sich über 97 % der befragten Patienten von dem Ergebnis ihrer Multifokallinsenimplantation ganz oder teilweise zufrieden zeigten (5). Dennoch sind vereinzelt auftretende Komplikationen nicht gänzlich auszuschließen. Welche Vor- und Nachteile die Augen-OP mit sich bringt, ist der folgenden Übersicht zu entnehmen.

Vorteile Nachteile
  • scharfes Sehen in Nähe, Ferne und Mittelbereich auch bei Grauem Star, Alterssichtigkeit und starker Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Hornhautkrümmung einsetzbar
  • keine Brille oder Kontaktlinsen nötig
  • sehr risikoarm
  • dauerhafte Korrektur
  • längere Eingewöhnungszeit (Neuroadaption) von 3 bis 6 Monaten
  • Lichteffekte und vermindertes Kontrastsehen möglich (7) – nehmen in der Regel mit Neuroadaption ab
  • in seltenen Fällen: Blutungen und Läsionen der Hornhaut, Nachstar oder Infektionen nach der Augen-OP

Wie viel kosten Multifokallinsen?

Der Preis für die Implantation von Multifokallinsen beginnt bei 2.000 Euro pro Auge und liegt somit in der Regel über dem einer Laserbehandlung. Die etwa zwei Stunden dauernde Voruntersuchung und die drei bis fünf Termine zur Nachkontrolle sind in den Behandlungskosten inbegriffen. Die genaue Höhe der Behandlungskosten für die Multifokallinsenimplantation hängt vom jeweiligen Linsentyp, der Erfahrung des Arztes sowie der benötigten technischen Ausstattung ab. Trifokallinsen sind dabei in der Regel deutlich teurer als Bifokallinsen. Hier gilt jedoch zu beachten: Die Implantation von Bifokallinsen kann bedeuten, dass der Patient aufgrund des fehlenden Sehbereichs in Zukunft auf das Tragen einer Brille, zum Beispiel beim Autofahren, angewiesen ist. Diese Kosten sind bei der Wahl des geeigneten Linsentyps nicht außer Acht zu lassen.

Multifokallinsen implantieren – Kostenübernahme durch die Krankenkasse?

Die Implantation von Multifokallinsen zur Behandlung von Alterssichtigkeit übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel nicht (3). Sie tragen lediglich die gesamten Kosten für das Einsetzen von Monofokallinsen. Private Krankenkassen wiederum sind nach neueren Gerichtsurteilen dazu verpflichtet, die Behandlungskosten einer Linsenimplantation mit Multifokallinsen vollständig zu übernehmen. Hier empfiehlt es sich, nach einer Ablehnung seitens der Versicherung, rechtliche Schritte zu prüfen.

Multifokallinsen: Implantation finanzieren

Das Einsetzen von Multifokallinsen inklusive aller Vor- und Nachuntersuchungen bringt hohe Kosten mit sich. Dennoch ist davon abzuraten, sich vom kostengünstigsten Angebot locken zu lassen und im Gegenzug eine minderwertige Qualität der Behandlung in Kauf zu nehmen. Auch eine möglicherweise unseriöse Behandlung mit mangelnden Vor- und Nachuntersuchungen im Ausland ist nicht ratsam. Um ihren Patienten finanziell entgegenzukommen, bieten zahlreiche Augenärzte und Kliniken attraktive Finanzierungsmodelle über drei bis 72 Monate an – bei kurzfristiger Finanzierung zum Teil sogar mit einem effektiven Jahreszins von 0,0 %. Die jeweiligen Konditionen sind individuell bei der gewählten Klinik zu erfragen.

Kosten für Multifokallinsen von der Steuer absetzen

Bei der Implantation von Multifokallinsen handelt es sich um die Behandlung einer Krankheit, beziehungsweise einer Fehlsichtigkeit. Anfallende Kosten für die ärztliche Versorgung lassen sich daher als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen. Ebenso verhält es sich mit jeglichen Fahrtkosten im Rahmen der Behandlung – besonders interessant, wenn die Augenklinik weiter vom Wohnort entfernt liegt. Dem Finanzamt ist hierfür nur die Rechnung des behandelnden Arztes vorzulegen. Ein Attest ist nicht notwendig.

Um steuerlich absetzbar zu sein, müssen die Behandlungskosten der Multifokallinsen-OP lediglich den festgesetzten Grenzwert innerhalb eines Jahres übersteigen. Dieser wiederum lässt sich sich aus dem Bruttojahreseinkommen, dem Familienstand und der Kinderzahl errechnen.

Multifokallinsen implantieren: Welches Alter ist das beste?

Multifokallinsen ersetzen die augeneigenen Linsen und sind daher auch zur Behandlung von Alterssichtigkeit einsetzbar. Diese tritt bei einem Großteil der Menschen ab dem 40. Lebensjahr ein. Die augeneigene Linse verliert dann die Fähigkeit, sich zu strecken und zusammenzuziehen, um unterschiedliche Entfernungen scharf darzustellen. Meist können alterssichtige Menschen auf größere Entfernungen noch immer gut sehen, während nahe Bereiche, beispielsweise beim Lesen, ihnen immer größere Schwierigkeiten bereiten. Multifokallinsen können im Gegensatz zu Laserbehandlungen auch in diesem Fall Abhilfe schaffen. Somit eignen sie sich ab der Volljährigkeit grundsätzlich in jedem Alter, sofern eine Laserbehandlung nicht zielführend ist.

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Quellen

(1) Charité Universitätsmedizin Berlin, “Katarakt / Grauer Star”, https://augenklinik.charite.de/leistungen/katarakt_grauer_star/ (Stand: Dezember 2021)

(2) Charité Universitätsmedizin Berlin, “Der refraktive Linsentausch”, https://lasik.charite.de/leistungen/linsenimplantate/linsentausch/ (Stand: Dezember 2021)

(3) Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., “Grauer Star: Kostentransparenz vor der OP”, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/aerzte-und-kliniken/grauer-star-kostentransparenz-vor-der-op-12878 (Stand: Dezember 2021)

(4) Stürmer, Jörg. “Katarakt–Grauer Star.” Therapeutische Umschau 66.3 (2009): 167-171. (Stand: Dezember 2021)

(5) Petzold, Alexander, et al. “Patientenzufriedenheit nach Implantation von Multifokallinsen verschiedener Generationen–ein 10-Jahres-Follow-up.” Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 236.08 (2019): 969-975. (Stand: Dezember 2021)

(6) Rabethge, S. P., et al. “Vergleich der Lebensqualität nach Implantation multifokaler und monofokaler Intraokularlinsen.” 12. Kongreß der Deutschsprachigen Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation und refraktive Chirurgie. Springer, Berlin, Heidelberg, 1999. (Stand: Dezember 2021)

(7) Brockmann, T., and C. von Sonnleithner. “Katarakt-Operation mit Multifokallinsen.” EINBLICK-AUSBLICK: 16. (Stand: Dezember 2021)

Häufige Fragen

Was sind Multifokallinsen?

Multifokallinsen sind Mehrstärkenlinsen, welche die augeneigene Linse ersetzen. Sie stellen im Gegensetz zu Monofokallinsen gleich mehrere Sehbereiche scharf dar und eignen sich somit auch zur Korrektur von Alterssichtigkeit und Grauem Star. Das Tragen von Brillen und Kontaktlinsen wird mit dem Einsetzen von Multifokallinsen unnötig.

Was kosten Multifokallinsen?

Die Kosten für die Multifokallinsenimplantation belaufen sich auf mindestens 2.000 Euro pro Auge. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen diese in der Regel nicht. Es ist jedoch in den meisten Fällen möglich, die Kosten von der Steuer abzusetzen oder ein Finanzierungsmodell in Anspruch zu nehmen.

Für wen sind Multifokallinsen geeignet?

Im Gegensatz zum Augenlasern eignen sich Multifokallinsen auch für Patienten mit stärker ausgeprägten Sehschwächen, Alterssichtigkeit oder Grauem Star. Eine Linsenimplantation ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Ob eine Eignung im individuellen Fall vorliegt, entscheidet der behandelnde Augenarzt nach gründlicher Untersuchung.