Monofokallinse (IOL) – Kosten, Vorteile und Risiken

von Michael Koenig
19 October 2022
Methoden

Monofokallinsen (IOL) kommen bei der Behandlung des Grauen Stars, auch Katarakt genannt, zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine der häufigsten Augenerkrankungen im Alter. Hierbei trübt sich die Augenlinse, sodass die Patienten alles wie durch ein „Milchglas“ sehen. Unbehandelt kann die Krankheit auch zur Erblindung führen – weltweit ist der Graue Star eine der beiden Hauptursachen von Erblindung. (1) Da sich die natürliche Linse nicht korrigieren lässt, ist die Linsenimplantation eine sinnvolle Methode: Die getrübte Linse wird gegen eine neue, künstliche Linse ausgetauscht. Etwa 700.000-mal pro Jahr findet die Operation in Deutschland statt, entsprechend groß ist die Auswahl an Intraokularlinsen (IOL). (2) Eine davon ist die Monofokallinse. Alle Informationen zu den Kosten und Risiken der Monofokallinse finden Sie in dem folgenden Beitrag.

Was ist eine Monofokallinse?

Anders als die Multifokallinse arbeitet die Monofokallinse mit nur einem Brennpunkt (von griechisch „mónos“ – einzig, allein). Sie funktioniert ähnlich wie die Sehstärke einer einfachen Brille, die auch nur über einen Brennpunkt verfügt. Die Einstärkenlinse ermöglicht so entweder ein verbessertes Sehen im Fern- oder im Nahbereich. Meist ist die Monofokallinse auf den Fernbereich eingestellt, sodass für das Sehen auf kurzen Distanzen weiterhin eine Brille notwendig ist. (3)

Monofokallinsen gibt es in zwei Varianten: (4)

  • Sphärische Monofokallinsen
  • Asphärische Monofokallinsen

Sphärische Monofokallinsen

Die sphärische Monofokallinse ist die Standardlinse ohne Zusatzfunktionen. Der Einsatz dieser Linse wird vollständig von den Krankenkassen übernommen. Durch sie lässt sich bei vielen Patienten bereits eine gute Korrektur des Sehvermögens erreichen. Diese Linsen arbeiten bei schlechten Lichtbedingungen wie in der Dämmerung allerdings nicht so gut wie die asphärischen Linsen. Zudem kann bei den sphärischen Linsen im Randbereich des Sichtfelds eine leichte Abbildungsschwäche auftreten.

Asphärische Monofokallinsen

Die asphärischen Monofokallinsen gelten als die Premiumlinsen, da sie im Gegensatz zu den sphärischen Linsen einige Zusatzfunktionen aufweisen: Durch ihre asphärische Brechung ermöglichen diese Linsen auch bei schlechten Lichtbedingungen eine gute Sicht. Zudem ist mit diesen Linsen die Blendungsempfindlichkeit geringer. Auch fehlerhafte Abbildungen wie Lichtschleier, Unschärfe oder Kontrastverluste sind bei den asphärischen Monofokallinsen deutlich geringer als bei den sphärischen Modellen.

Die sphärischen Monofokallinsen sind standardmäßig mit einem UV-Schutz ausgestattet, die asphärischen Linsen bieten zusätzlich einen Blaulichtfilter, um die Netzhaut vor Schäden durch kurzwelliges, blaues Licht zu schützen.

Monofokallinse – Wie läuft die OP ab?

Die Operation des Grauen Stars dauert je Auge nur rund zehn bis 20 Minuten und wird ambulant unter lokaler Betäubung durchgeführt. Meist werden die Augen nicht am selben Tag, sondern im Abstand von ein paar Tagen operiert.

Vor der Operation kommen schmerzstillende Augentropfen zum Einsatz, die das Auge betäuben. Dann öffnet der Chirurg unter Vergrößerung durch ein Operationsmikroskop und mithilfe einer Nadel die Linsenkapsel über eine Länge von rund drei Millimetern. Durch diese Öffnung wird die trübe Linse per Ultraschall in kleine Bruchstücke zerteilt und abgesaugt. Die seitliche und hintere Linsenkapsel, auch Linsenkapselsack genannt, bleibt im Auge erhalten.

In diesen wird im Anschluss die gefaltete Monofokallinse eingesetzt. Sie entfaltet sich im Augeninneren, stabilisiert durch zwei kleine elastische Bügel. Da die Größe des Schnittes nur wenige Millimeter beträgt, dichtet er sich innerhalb kürzester Zeit wieder von selbst ab und muss nicht genäht werden. (5)

Welche Risiken bestehen bei einer Monofokallinse?

Die Operation des Grauen Stars bzw. die Implantation der Monofokallinse gilt als risikoarm. Bereits kurz nach der Operation ist die Sehkraft wiederhergestellt. Allerdings muss sich das Auge und insbesondere die Hornhaut erst von der Operation erholen.

Mögliche Komplikationen

In der Zeit nach der Linsenimplantation können verschiedene Beschwerden auftreten: (3)

  • Fremdkörpergefühl am operierten Auge
  • Leichtes Brennen
  • Verminderte Sicht in der Dämmerung
  • Lichterscheinungen – sogenannte Halos, die um helle Lichtquellen herum sichtbar werden

Zudem gehören Blutungen der Bindehaut, Entzündungen und ein Anstieg des Augeninnendrucks zu den allgemeinen Risiken bei der Implantation einer Monofokallinse. Auch Hornhauttrübungen oder -abschürfungen, Netzhautablösungen und eine Verlagerung der Linse können auftreten. Letzteres macht einen Austausch nötig. Durch den OP-Schnitt wird zudem die Hornhaut leicht verkrümmt. (6)

Häufigste Nebenwirkung – Nachstar

Als häufigste Nebenwirkung nach dem Einsatz einer Monofokallinse tritt der Nachstar auf. Dabei handelt es sich um eine leichte Eintrübung oder natürliche Vernarbung des Linsenkapselsacks. Ursächlich dafür sind Linsenzellen, die im Kapselsack verbleiben und sich vermehren. Der Nachstar kann einige Monate nach der Operation oder aber auch erst Jahre danach auftreten. Betroffene klagen über eine verschlechterte, „milchige“ Sicht.

Der Nachstar wird mit einer speziellen Lasertechnik (YAG-Laser-Kapsulotomie) behandelt. Dafür werden in der hinteren Kapsel kleine Löcher erzeugt, durch die das Licht ungehindert ins Auge gelangen kann. Auch diese Operation findet unter lokaler Betäubung statt, sie dauert nur ein paar Minuten und ist schmerzfrei. Eine weitere Behandlung ist meist nicht nötig. (7)

Monofokallinse – Das sind die Nachteile

Wie bereits erwähnt, arbeiten monofokale Intraokularlinsen (IOL) mit nur einem Brennpunkt und verbessern so das Sehen nur im Fern- oder im Nahbereich. Meist sind sie auf den Fernbereich eingestellt, sodass für das Sehen im Nahbereich eine Sehhilfe notwendig ist. Denn anders als die natürliche Linse, die ihre Krümmung verändert, um auf unterschiedlich weit entfernte Gegenstände zu fokussieren, stellt sich das starre Plastikmodell nicht flexibel auf verschiedene Distanzen ein. (3)

Bei den Standard-Monofokallinsen handelt es sich zudem um sphärische Linsen. Bei diesen kommt es, gerade am Randbereich des Sichtfelds, zu kleinen optischen Fehlern, die die Sehschärfe reduzieren. Das Ausmaß dieser Fehler ist abhängig von der Größe der Pupille: Wird sie größer – wie beim nächtlichen Autofahren – wird die unscharfe Abbildung größer und das Sehvermögen verschlechtert sich. So werden beispielsweise entgegenkommende Scheinwerfer unscharf wahrgenommen, zudem sind die sphärische Monofokallinsen stärker blendungsempfindlich als asphärische Linsen.

Welche Kosten entstehen bei der Monofokallinse?

Die Operation des Grauen Stars und das Einsetzen der Monofokallinse sind eine Leistung der gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Es werden aber nur die Kosten für die Standard-Monofokallinse, sprich die sphärische Linse übernommen. (8) Bereits für die asphärischen Monofokallinsen mit verbesserter Bildqualität werden Zusatzkosten von rund 700 Euro je Auge fällig, (2) die die Patienten selbst tragen müssen.

Multifokallinsen oder torische Linsen für Menschen mit Hornhautverkrümmung sind noch einmal teurer als die Monofokallinsen. Die Kosten betragen hier etwa 2.000 bis 4.000 Euro je Auge. (2) Auch diese Kosten müssen die Patienten selbst zahlen.

Dies betrifft auch die Kosten für ein neues, schonenderes Operationsverfahren mit dem sogenannten Femtosekundenlaser, die Femto Phako: Hier schneidet der Laser einen exakten, immer gleichen Kreis in die Linsenkapsel und zertrümmert die getrübte Linse blitzschnell. Das Risiko von Verletzungen des umliegenden Gewebes ist hier im Vergleich zur herkömmlichen Operationsmethode deutlich geringer. Von diesem Verfahren profitieren vor allem Patienten mit einer Hornhautverkrümmung. Die Kosten dafür liegen bei etwa 1.500 Euro je Auge und sind von den Erkrankten selbst zu tragen. (7)

 

Quellen:

(1) International Agency for the Prevention of Blindness (IAPB). (2020). Causes of Vision Loss: Cataract. https://www.iapb.org/learn/vision-atlas/causes-of-vision-loss/cataract/. (Abgerufen am 12.10.2022).

(2) Hobelsberger, B. (2021). Kunstlinsen bei Grauem Star: Diese Möglichkeiten gibt es. https://focus-arztsuche.de/magazin/gesundheitstipps/kunstlinsen-bei-grauem-star. (Abgerufen am 12.10.2022).

(3) Augenarzt Online. (2020). Monofokallinsen: Die wichtigsten Informationen zu Kurzsichtigkeit des Auges. https://www.augenarzt-online.org/standardlinsen-monofokallinse. (Abgerufen am 12.10.2022).

(4) Forbrig, J. (2020). Optimierung der Visualisierung von Strahlenverläufen durch Intraokularlinsen und natürliche Linsen. Universitätsmedizin Rostock. https://rosdok.uni-rostock.de/file/rosdok_disshab_0000002528/rosdok_derivate_0000103419/Forbrig_Dissertation_2021.pdf. (Abgerufen am 12.10.2022).

(5) Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA). (2022). Kommission Refraktive Chirurgie: Refraktiver Linsentausch. http://bva.dog/krc/index.php?seite=lens-x. (Abgerufen am 12.10.2022).

(6) Stuttgarter Zeitung. (2012). Die Sicht wird nicht wirklich scharf. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.augenheilkunde-die-sicht-wird-nicht-wirklich-scharf.8ec1fc43-f889-46a1-9d22-c442c4781bb8.html. (Abgerufen am 12.10.2022).

(7) ndr.de. (2021). Operation bei grauem Star: Welche Linse ist die richtige? https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Operation-bei-grauem-Star-Welche-Linse-ist-die-richtige,grauerstar106.html. (Abgerufen am 12.10.2022).

(8) Verbraucherzentrale. (2021). Grauer Star: Kostentransparenz vor der OP. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/aerzte-und-kliniken/grauer-star-kostentransparenz-vor-der-op-12878. (Abgerufen am 12.10.2022).

Häufige Fragen

Was ist eine Monofokallinse?

Eine Monofokallinse wird bei Grauem Star anstelle der natürlichen, getrübten Linse eingesetzt. Sie arbeitet nur mit einem Brennpunkt. Das bedeutet, dass sie das Sehvermögen entweder im Fern- oder im Nahbereich verbessert. Da Monofokallinsen meist auf das Sehen in die Ferne eingestellt sind, ist für scharfes Sehen im Nahbereich eine Sehhilfe erforderlich.

Was ist eine asphärische Monofokallinse?

Es gibt sphärische und asphärische Monofokallinsen. Anders als die Standardlinse bietet die asphärische Monofokallinse eine verbesserte Bildqualität, die sich auch in der Dämmerung und bei schlechten Lichtbedingungen zeigt. Zudem sind hier fehlerhafte Abbildungen wie Lichtschleier, Unschärfe oder Kontrastverluste deutlich geringer als bei den sphärischen Monofokallinsen.

Für wen sind Monofokallinsen geeignet?

Monofokallinsen werden zur Behandlung von Grauem Star eingesetzt. Andere Sehschwächen oder Augenerkrankungen lassen sich durch sie nicht beheben. Liegen bereits andere Erkrankungen des Auges vor, kann es notwendig sein, diese zuerst zu behandeln, bevor eine Monofokallinse zum Einsatz kommt. Generell sollte sich die zu behandelnde Person in einem guten gesundheitlichen Zustand befinden und zum Zeitpunkt der Linsenimplantation weder schwanger noch in der Stillzeit sein.