Augenlasern: Kostenübernahme durch Krankenkasse

von Patrick B.
15 November 2021
Kosten

Immer mehr Menschen lassen sich die Augen lasern. Ob Krankenkassen die Kosten dafür übernehmen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor der Entscheidung für eine Operation ist es daher ratsam, sich genaustens über die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme zu informieren. Diese kann schließlich – abhängig von der jeweiligen Behandlungsmethode – mit etwa 750 bis 3.000 Euro pro Auge zu Buche schlagen. Unter welchen Bedingungen gesetzliche oder private Versicherer für die Behandlung aufkommen, erfahren Sie im Folgenden.

Kosten für Augenlasern: Übernahme durch gesetzliche Krankenkasse?

Die Behandlungskosten für das Augenlasern übernehmen gesetzliche Krankenkassen wie AOK, Barmer oder TK in der Regel nicht (2), da diese lediglich „medizinisch notwendige“ Maßnahmen und Operationen bewilligen. Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit nach den Verfahren PRK / LASEK, LASIK oder Femto-LASIK lasern zu lassen, stufen die gesetzlichen Krankenkassen jedoch als ästhetischen Eingriff ein. Ihre Begründung: Die Ursache – in der Regel eine brechungsbasierte Fehlsichtigkeit – sei nicht als Krankheit, sondern als physiologische Veränderung anzusehen, welche sich mit dem Tragen von Kontaktlinsen oder einer Brille korrigieren lasse.

Augen lasern lassen: In welchen Sonderfällen zahlt die gesetzliche Krankenkasse?

Eine Kostenübernahme des Augenlaserns durch die Krankenkasse ist allerdings nicht gänzlich ausgeschlossen. Es gilt hierbei jedoch, eine medizinische Notwendigkeit für die Augen-OP nachzuweisen. Hierfür gibt es verschiedene mögliche Gründe, zum Beispiel:

  • eine bestehende Brillen- und Kontaktlinsenunverträglichkeit: Einige Patienten reagieren sehr empfindlich auf das Tragen von Kontaktlinsen. Rötungen, Trockenheit oder Schmerzen können die im alltäglichen Leben höchst unangenehme Folgen sein. Bestimmte Fehlsichtigkeiten lassen sich zudem überhaupt nicht mit Kontaktlinsen korrigieren. Ebenso ist eine Brillenunverträglichkeit möglich. Aufgrund einer zu hohen Dioptrienzahl können die Brillengläser so dick und schwer sein, dass das Tragen im Alltag schmerzhaft wird und eine große Belastung darstellt.
  • eine bereits vorliegende Augenerkrankung oder die Folgen eines Unfalls, die zur Erblindung führen können: Ist das Augenlasern notwendig, um eine Verschlechterung der Sehfähigkeit oder gar eine drohende Erblindung zu verhindern, übernimmt auch hier die gesetzliche Krankenkasse die anfallenden Kosten für das Augenlasern. Dies gilt vor allem für Krankheiten wie den Grünen oder Grauen Star sowie ein Netzhautloch.

Hornhautverkrümmung lasern: Zahlt die gesetzliche Krankenkasse?

Liegt eine starke Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) vor, welche sich durch Lasern beheben lassen würde, lohnt es sich ebenfalls, bei der Krankenkasse einen Antrag auf einen Zuschuss einzureichen. Ob gesetzliche Versicherer wie Barmer, TK oder AOK hier eine medizinische Notwendigkeit für das Augenlasern anerkennen und ab wie viel Dioptrien sie eine Kostenübernahme möglicherweise bewilligen, hängt von der Einzelfallentscheidung ab.

Kostenübernahme für Augenlaserbehandlungen bei privaten Krankenkassen

Anders verhält es sich bei Privatpatienten, welche sich die Augen lasern lassen. Die Krankenkasse übernimmt hier die Behandlungskosten in der Regel anteilig oder sogar vollständig. Inzwischen nehmen viele Privatversicherungen LASIK-Behandlungen sogar in ihre neuen Policen auf. Grund dafür ist nicht zuletzt ein Urteil des IV. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 29.03.2017 (1). Dieses definiert eine Fehlsichtigkeit offiziell als Krankheit und verpflichtet private Krankenversicherungen, die Augenlaserkosten zu übernehmen. Bei dem Eingriff handle es sich schließlich um eine Heilbehandlung, während das Tragen von Kontaktlinsen oder einer Brille lediglich einen temporären Ausgleich der Fehlsichtigkeit darstellt. Voraussetzung für eine Übernahme der Augenlaserkosten durch die private Krankenversicherung ist eine medizinische Notwendigkeit oder die ärztliche Einschätzung, dass der Eingriff das Tragen von Kontaktlinsen oder einer Brille überflüssig macht.

Wie sicher ist eine Übernahme der Augenlaserkosten durch private Krankenkassen?

Auch wenn privat Versicherte einen rechtlichen Anspruch auf die Übernahme der Augenlaserkosten durch ihre Krankenkasse haben, ist es möglich, dass diese den Antrag zunächst ablehnen. Daher empfiehlt es sich, der Krankenkasse noch vor Behandlungsbeginn einen Kostenvoranschlag des behandelnden Arztes für das Augenlasern zur Prüfung vorzulegen. Lehnt die Krankenkasse den Zuschuss ab, lohnt es sich, einen Antrag auf erneute Prüfung einzusenden. Auf diese Weise lässt sich eine Einzelfallprüfung und die Zuweisung eines persönlichen Ansprechpartners erwirken. In vielen Fällen reicht es, den einige Wochen dauernden Prüfprozess in Kauf zu nehmen, um am Ende eine Bewilligung zu erhalten. Eine weitere Möglichkeit ist es, die meist in der Police enthaltene jährliche Erstattung für Sehhilfen für mehrere Jahre im Voraus zu beantragen. Da eine Augenlaserbehandlung das Tragen von Brille und Kontaktlinsen unnötig macht, lässt sich dieser Betrag als Bezuschussung der Kosten nutzen.

Sollte die private Krankenkasse diesen Schritt ebenfalls ablehnen, so bleibt lediglich die Einleitung rechtlicher Schritte. Gerichtsurteile der Vergangenheit zeigen, dass die Chancen auf Übernahme der Augenlaserkosten durch private Krankenkassen in diesem Fall sehr hoch sind. Versicherungen haben jedoch normalerweise ebenso wenig Interesse an einer gerichtlichen Auseinandersetzung wie der Antragsteller. Es ist also wahrscheinlich, dass sich dieser Schritt verhindern lässt.

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Übernahme der Augenlaserkosten: Private Krankenkassen im Vergleich

Bei der Übernahme der Kosten für Augenlaserbehandlungen gelten folgende private Krankenversicherungen als kulant:

Krankenkasse Versicherungsart maximale Kostenübernahme (abhängig von Tarif) Nachweis medizinischer Notwendigkeit
Axa Vollversicherung 100 % notwendig
Allianz Vollversicherung 100 % notwendig
Debeka Vollversicherung 100 % notwendig
Süddeutsche Vollversicherung 80 % notwendig
Barmenia Vollversicherung 2.000 Euro pro Auge notwendig
Signal Iduna Voll- und Zusatzversicherung 1.500 Euro pro Auge nicht notwendig
HUK Coburg Vollversicherung 1.000 Euro pro Auge nicht notwendig
DKV Vollversicherung 1.250 Euro pro Auge Bestätigung durch DKV-Arzt
Central Vollversicherung (Sehhilfe inklusive) 1.600 Euro pro Auge nur bei bestimmten Dioptrien
Inter Voll- und Zusatzversicherung 1.500 Euro pro Auge nur ärztliche Einschätzung

Um Augenlaserpatienten finanzielle Vorteile zu verschaffen, gehen einige private Krankenkassen Kooperationen mit verschiedenen Augenkliniken ein. Lässt der Versicherte seine Behandlung in einem dieser Augenlaserzentren durchführen, bietet die Klinik meist besondere Vorteile oder erlässt einen Teil der Behandlungskosten. Die entsprechende private Krankenkasse übernimmt in der Regel anschließend bis zu 100 % des Restbetrags.

Nachstar lasern lassen: Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Nach einer Katarakt-Operation kann die verbliebene Hinterkapsel der Linse erneut eintrüben. Dies geschieht meist in den ersten Monaten nach dem Eingriff. Moderne Behandlungsmethoden konnten die Wahrscheinlichkeit zwar enorm senken, dennoch sind knapp 4 % aller Patienten von einem Nachstar betroffen. Dieser lässt sich ambulant und schmerzfrei mittels einer Nd:YAG-Laser-Kapsulotomie beseitigen. Der Nachstar lässt sich nur durch das Lasern der Augen korrigieren. Alle Krankenkassen übernehmen die Kosten vollständig.

Krankenkasse übernimmt Kosten für Augenlasern nicht? Diese Möglichkeiten gibt es

Dass eine gesetzliche Krankenkasse die Kosten für das Augenlasern übernimmt, ist in der Regel äußerst unwahrscheinlich. Nicht selten lassen sich Patienten, die sich dennoch für eine Augenlaserbehandlung entscheiden, aus diesem Grund von günstigen Angeboten aus dem Ausland locken. Augenkliniken in der Türkei bieten beispielsweise LASIK-Operationen ab 800 Euro für beide Augen an. Ein scheinbar unschlagbares Angebot, von welchem aus medizinischer Sicht dennoch dringend abzuraten ist. Grund dafür ist vor allem der zeitliche Druck. Um eine bestmögliche Behandlung zu gewährleisten, sind eine detaillierte Beratung des Patienten sowie mehrere gründliche Vor- und Nachuntersuchungen unabdingbar. Diese können bei einem wenige Tage andauernden Auslandsaufenthalt womöglich nicht in vollem Umfang erfolgen. Auch wenn die Kosten für das Augenlasern also nicht von der Krankenkasse übernommen werden, ist es ratsam, die eigene Gesundheit an erste Stelle zu setzen und andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Dazu gehören:

  • Finanzierung: Zahlreiche Augenkliniken bieten inzwischen patientenfreundliche Finanzierungsmodelle an. Auf diese Weise lassen sich die hohen Kosten für das Augenlasern über einen längeren Zeitraum in Raten abbezahlen – bei kurzfristiger Finanzierung sogar ab 0,0 % effektivem Jahreszins.
  • Steuerliche Absetzbarkeit von Augenlaserkosten: Übernimmt die Krankenkasse die Kosten nicht, kann die steuerliche Absetzbarkeit zu einer finanziellen Entlastung beitragen. Hierfür müssen die Kosten für die Augenlaserbehandlung lediglich innerhalb eines Jahres über dem festgesetzten Grenzwert für außergewöhnliche Belastungen liegen. Wie hoch die steuerliche Entlastung letztendlich ausfällt, hängt von individuellen Voraussetzungen wie dem Jahresgehalt, der Anzahl der Kinder und dem Steuertarif ab.
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Quellen:

(1) BGH, Urteil vom 29. März 2017 – IV ZR 533/15, http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&nr=77860&linked=pm (Stand: Dezember 2021)

(2) Kohnen, T., T. Neuhann, and M. Knorz. “Bewertung und Qualitätssicherung refraktiv-chirurgischer Eingriffe durch die DOG und den BVA.” Der Ophthalmologe 108.9 (2011): 869-882. (Stand: Dezember 2021)

Häufige Fragen

Ab wann zahlt die Krankenkasse für das Augenlasern?

Die Übernahme der Behandlungskosten für das Augenlasern übernehmen gesetzliche Krankenkassen nur in Ausnahmefällen, z. B. bei Kontaktlinsen- und Brillenunverträglichkeit, drohendem Sehverlust nach einem Unfall oder einer bestehenden Augenerkrankung, welche zum Erblinden führen kann. Private Versicherungen übernehmen die Kosten für eine Augenlaserbehandlung in der Regel mindestens anteilig.

Welche Krankenkasse zahlt für das Augenlasern?

Die Kostenübernahme für das Augenlasern erfolgt in erster Linie nur durch private Krankenkassen. Zu den privaten Versicherern, welche die Kosten in der Regel vollständig übernehmen, gehören unter anderem Allianz, Axa oder Debeka. Gesetzliche Krankenkassen stufen den Eingriff meist als ästhetischen Eingriff und nicht als „medizinisch notwendig“ ein.

Wie viel kostet es, sich die Augen lasern zu lassen?

Die Behandlungskosten für das Augenlasern hängen stark von der jeweiligen Methode ab. Bei dem Verfahren PRK / LASEK handelt es sich um das am längsten angewandte. Hier liegen die Kosten in der Regel bei mindestens 800 Euro pro Auge. Behandlungskosten moderner Verfahren wie ReLEx SMILE belaufen sich auf etwa 1.600 Euro pro Auge.

Wann ist Augenlasern medizinisch notwendig?

Ist Augenlasern medizinisch notwendig, übernimmt normalerweise selbst die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Mögliche Gründe für eine solche Notwendigkeit können dabei beispielsweise eine drohende Erblindung nach einem Unfall sowie bestehende Augenerkrankungen sein.